2169 Tage Tobago-Paradies

Blog eines Deutschen jenseits der Verklärung…

Liebe in Tobago

Julia, die in Italien lebt und selber einen Blog betreibt – siehe http://wp.me/p6fhOE-Rz – hat mich gefragt, ob ich nicht einen Beitrag schreiben könne über „so typische Stolpersteine (am Anfang) einer interkulturellen Beziehung (egal ob Freundschaft oder Partnerschaft).“ Ah, was für ein interessantes Thema. Wobei ich nicht weiß, ob ich anstatt von Stolpersteinen nicht vielleicht besser von Fallgruben, Sprengfallen oder Selbstmordkommandos schreiben sollte. Okay, vielleicht übertreibe ich ein wenig. Doch was in Italien vielleicht wie eine leichte Mittelmeerbriese wirken mag, das entwickelt sich in der Karibik leicht zu einem Hurrikan – zum Glück jedoch nicht notwendigerweise in meiner Wahlheimat, da sich Trinidad und Tobago unterhalb des Hurrikangürtels befindet.

Wenn man bereits in Deutschland sagt, dass Männer vom Mars und Frauen von der Venus seien, dann könnte man bei bikulturellen Beziehungen in Tobago von verschiedenen Galaxien sprechen, die hier aufeinander prallen. Das beginnt schon mit meinem Glauben an Urknall und Evolutionstheorie, denn mit solchen Überzeugungen bin ich in der weitgehend christlich fundamentalistisch geprägten Karibik in der absoluten Minderheit. Die Gravitationstheorie wird hingegen weitgehend anerkannt – immerhin! Allerdings habe ich meine berechtigten Zweifel an dieser weit verbreiteten Lehre, – denn ich glaube an das Fliegende Spaghettimonster als Schöpfer des Universums und daran, dass es Seine nudeligen Anhängsel sind, die die Menschen auf die Erde drücken.

Auch in Bezug auf viele andere Werte und Interessen fühle ich mich in Tobago in der absoluten Minderheit: Ich bin gegen die Todesstrafe, lese viel, befürworte die Homo-Ehe, liebe Rockmusik, befürworte die Legalisierung von Marihuana – auch wenn ich das Zeugs nicht konsumiere -, esse kein Fastfood und schalte den Motor meines Wagens bei einer längeren Rotphase schon einmal ab, während es in Tobago eher üblich ist, das Auto auch während des Einkaufens für 15 Minuten laufen zu lassen.

Vielleicht schweife ich gerade etwas ab und werde zu persönlich. Wissenschaftler, die sich berufsmäßig mit Beziehungen beschäftigen, betonen jedoch, wie wichtig gemeinsame Werte, Interessen und auch ein ähnlicher Bildungshintergrund für das Gelingen einer Partnerschaft sind. Vielleicht mag diese Tatsache auch erklären, warum interkulturelle Beziehungen in Tobago von oft bescheidenem Erfolg gekrönt sind, wenn man den Maßstab einer glücklichen, langlebigen und vertrauensvollen Beziehung anlegen mag. Die Kenntnisnahme von rühmlichen Ausnahmen in Tobago freut mich jedoch sehr.

Möglicherweise besteht jedoch eine erhöhte sexuelle Anziehungskraft zwischen den Kulturen, was sich durch einen vergrößerten genetischen Pool für potentiellen Nachwuchs begründen lässt. Inzucht ist so leicht zu vermeiden. Einmal hat mich ein Gast vom Kreuzfahrtschiff ganz direkt gefragt, ob nach Tobago auch so viele alte geile Säcke reisen würden. Diesbezüglich konnte ich ihn ein wenig beruhigen, denn es waren in der Vergangenheit vor allem hellhäutige Frauen, die sich einem Abenteuer mit einem Einheimischen nicht immer abgeneigt zeigten. Aber das ist schon wieder ein Thema für sich…

Im Gedächtnis ist mir aber noch die folgende Begebenheit: Ich stiefle bekleidet mit meiner Badeshorts etwas müde aus dem Meer und möchte mir an einem Wasserhahn noch kurz die Füße abwaschen, an dem aber bereits ein einheimischer muskulöser Mann mit zwei hellhäutigen Frauen steht. Besonders auffallend an diesem Athleten (ob man hinschauen möchte oder nicht) ist seine extrem kurzgeschnittene Badehose in dem Stile aus den Tagen meiner Kindheit – möglicherweise aber zwei Nummern zu klein. Auf einen neutralen Betrachter mag dieser Mann wirken, als habe er sich zwei Tischtennisbälle in die Badehose geklemmt – aus welchen Gründen auch immer. Als ich mich dann dem Wasserhahn nähere, sagt er zu den beiden blonden Frauen in einem sehr bestimmenden Tonfall: „Es soll jeder sehen, wer hier die größten Eier hat!“

2 Kommentare Kommentar schreiben

*lol* Na, wenn die Damen darauf so besonderen Wert legen, dann soll er doch ruhig protzen. 😉 Ich fände es eher befremdlich.

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Das Modell Platzhirsch scheint ja wirklich noch bei einigen Frauen Anklang zu finden… Verrückt! hahahaha

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