Deutsche Auswanderer – eine Satire

Ein Klischee besagt, dass mitunter recht schillernde Personen nach Südamerika oder in die Karibik auswandern – sofern sie nicht jüdische Flüchtlinge waren, um einige Jahre später in ihrem unfreiwilligen Exil wieder auf ihre früheren Peiniger zu treffen. In den vergangenen Jahren hatten u.a. der Reemtsma-Entführer Drach und Ex-Senator Ronald Schill ihr Domizil in Südamerika aufgeschlagen. Somit befinde ich mich in bester Gesellschaft. Im vergangenen Jahr stieg ein etwas grantiger Kreuzfahrt-Tourist in „meinen“ Tourbus ein und begrüßte mich mit den Worten: „Sind Sie vor Europol weggelaufen, oder warum sind Sie hier?“ Ich fand das echt lustig und musste erst einmal lachen. Denn seit ich erstmals von Tobago kommend in New York einreisen wollte und man mich aufgrund meines in Trinidad ausgestellten deutschen Passes für die Dauer eines Backgroundchecks in einen Raum mit mutmaßlichen Drogenhändlern gesteckt hatte, ist mir bewusst, dass man Deutsche in Tobago eventuell mit Vorsicht genießen sollte. Bereits Humboldt soll gesagt haben: „Hüte Dich vor Sturm und Wind und Deutschen, die im Ausland sind.“

Tatsächlich könnte man glauben, dass vor allem Paradiesvögel, Menschen, die in Deutschland zu viel anecken, schwierige, aber auch hoffnungslos naive oder romantische Charaktere während einer Lebenskrise oder in einem zufälligen Rauschzustand in die Karibik auswandern. Nach mehreren Jahren auf der Insel habe ich von diesen Typen genug. Manchmal mag ich einfach keinen Deutschen mehr sehen, der nach Tobago ausgewandert ist. Um vor einer unangenehmen Überraschung sicher zu sein, habe ich in meinem Apartment die Spiegel abgehängt. Gefährlich wird es lediglich im Auto. Plötzlich sehe ich im Rückspiegel unerwartet diesen Kerl, den ich schon seit vier Tagen nicht mehr rasiert habe. Und später muss ich auch noch erkennen, dass mein Sohn Recht hatte, als er mich darauf hinwies, dass ich mein Shirt falsch herum angezogen habe…